Donnerstag, 11. November 2010

So abgebrüht tricksen manche Kaffeeröster...

Kaffeepulver wird mit Zusatzstoffen gestreckt, billiger ist es deshalb nicht

Berlin - Wer Kaffee kauft, sollte sehr genau die Verpackungen studieren: Nicht jede enthält hundert Prozent Bohnen. Onko und Tchibo strecken das Pulver mit Zusatzstoffen, warnt die Verbraucherzentrale Hamburg. Auf den ersten Blick fällt das kaum auf.

Das Pfund Onko Klassisch sieht aus wie immer, ganz klein steht aber auf der Vorderseite "Harmonische Melange aus Röstkaffee, Maltodextrin und Karamell."
Maltodextrin ist ein geschmackloser Zuckeraustauschstoff, der aus Maisstärke gewonnen wird. Und er ist billiger als Kaffeebohnen. Zusätzlich sparen Hersteller mit diesem Trick bei der Kaffeesteuer. Bei der Produktion im Ausland müssen pro Kilo Kaffee 2,19 Euro Kaffeesteuer gezahlt werden. Bei einem Anteil von 90 Prozent und darunter sind es nur noch 1,67 Euro. Der Verbraucher zahlt aber nicht weniger, im Gegenteil: Bei einem Test im Supermarkt kostete das Pfund Gala Nr 1 von Eduscho (Tchibo) 3,49 Euro, die gestreckte Variante mit Karamell 3,99 Euro, also 50 Cent mehr. Ganz klar: Hier haben sich die Röster den Gewinn auf Kosten der Kunden selbst in die Tasche gewirtschaftet.
"Beim Geschmack gibt es keinen Unterschied", versichert ein Verkäufer am Kaffeestand, Profi-Verkoster finden ihn aber sehr wohl. Onko rechtfertigt sich so: "Der starke Rohstoffpreisanstieg sowie gestiegene Produktionskosten haben die Rezepturänderung notwendig gemacht. Deshalb setzen wir diese Zutaten ein, um wettbewerbsfähig zu bleiben." Tchibo behauptet, man sei nur Kundenwünschen gefolgt.


Cornelia Schmalenbach
Quelle: Berliner Kurier, 11.11.2010